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Konzerte an Stätten abseits des Bekannten. Wie die Nachtigall lassen sie sich nieder an verschiedenen Orten. In der Natur, in Fabriken, auf Berghütten in alten Tennen und außergewöhnlichen Konzerträumen. Dort, wo Menschen gerne sind. Nightingale ist die musikalische Verbindung von Natur und Kultur, ist die Schaffung neuer Räume, indem es bekannte Strukturen aufbricht, ist Symbol für Natur und Gesang, ist Begegnung und Musik - mit der menschlichen

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September 1918, die Welt ist im Chaos, in Lausanne leitet Ernest Ansermet die Uraufführung von „Histoire du Soldat“, ein Bühnenwerk mit einem ganz neuen Konzept von Musiktheater. Igor Strawinsky hatte sich nach Ausbruch des 1. Weltkrieges in die Schweiz zurückgezogen, und scharrte einige Künstler um sich. Einer davon, der Dichter Charles Ferdinand Ramuz, machte einen interessanten Vorschlag: „Warum nicht gemeinsam ein Stück schreiben, das keinen großen Saal braucht, ein Stück, dessen Musik nur wenige Instrumente erfordern würde und das nur zwei oder drei Personen hätte? Wir würden die alte Tradition der Gauklerbühnen, der Wander- und Jahrmarktstheater wieder aufnehmen“ (Ramuz, „Souvenirs sur Igor Strawinsky“) Die Grundidee des von Ramuz verfassten Textbuches entstammt einer Sammlung von altrussischen Geschichten von Alexander Afanassiew (1826 – 1871). Ein erschöpfter Soldat begegnet dem Teufel, der ihn mit einem Zauberbuch lockt, das Reichtum verspricht. Dafür muss der Soldat seine Geige dem Teufel überlassen, der sie aber nicht spielen kann. Da er merkt, dass mit der Geige auch seine Seele abhanden gekommen ist, gelingt es dem Soldaten noch einmal den Teufel zu überlisten und die Liebe einer Prinzessin zu gewinnen, die er durch sein Geigenspiel von Krankheit heilt. Schließlich aber verliert er alles und der Teufel triumphiert. Es geht also um Liebe, Geld und Macht und den Preis, den die Seele dafür zahlt. Zu diesem Musiktheater, das „zu lesen, zu spielen und zu tanzen“ ist, erschafft Strawinsky eine einzigartige, antiromantische, gar nicht „einfühlsame“ Musik, die Anleihen an Jazz Unterhaltungsmusik, ja sogar Kirchenmusik nimmt und durch ihre rhythmische Wucht und die grotesken Taktverschiebungen unter die Haut geht. 8 Der Geldknappheit in Kriegszeiten ist die kleine Besetzung geschuldet, die aber trotzdem alle Instrumentengattungen umfasst. Wie in der Geschichte hat auch in der Musik die Geige die führende Rolle. “...die Musik, ist nicht grundlos 1918 entstanden, hat das ganze abgerissene Leben von damals in den Knochen. Der Rhythmus ist durchlöchert, die Musik Impressionismus aus lauter Fetzen und Verdrängtem, eine Kreuzung von Abschaum und Gärung, eine Hefen-Musik im beständig doppelten Wertsinn. Ohne die Geschichte vom Soldaten wäre eine ‘Dreigroschenoper’ kaum denkbar;“ (Ernst Bloch, Notizen zum Problem Strawinsky“). Christoph Heuberger

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